Meist wird mit der Schnell-Methode vergesellschaftet. Ist normalerweise problemlos und erspart den Meerschweinchen weiteres Alleinsein:
Man sollte nicht außer acht lassen, dass hier auch Krankheiten mitgebracht werden können, eine Karantäne, 4 Wochen, ist eigentlich zwingend, hält jedoch Krankheiten nur bedingt fern, da es Krankheiten gibt, die eine längere Inkubationszeit haben.
Der Stall des alteingesessenen Meerschweinchens wird gesäubert und nach Möglichkeit neu eingerichtet. Häuschen mit nur einem Eingang sind ungeeignet, da dort das flüchtende Schweinchen in die Enge getrieben werden kann. Am besten alle Innsassen raus nehmen und das neue Schweinchen als erstes rein, damit es sich ein wenig umschauen kann. Es hat sich auch bewährt, das neue Meeri mit etwas Mist der alt eingesessenen Gruppe einzureiben. Wird ein Baby-Meerschweinchen zugesetzt, ist eine Röhre, in das nur das Kleine hinein passt von Vorteil. So kann es sich den anfänglichen Nachstellungen der "Alten" entziehen.
Futter (Heu, Gemüse-Stückchen, etwas Gras, frische Knabberäste etc.) in Stall und Auslauf in kleinen Portionen an verschiedenen Stellen verteilt sorgt für die nötige Ablenkung.
Gequieke, Rennerei und evtl. Aufreiten ist anfangs völlig normal, legt sich jedoch bald. Auch gelegentliches Zähneklappern und mit aufgerissenem Mäulchen drohen ist kein Grund zur Beunruhigung.
Wenn die Meerschweinchen jedoch beginnen sich ernsthaft zu bekämpfen (richtiges Verbeißen, fliegende Haarbüschel) müssen sie sofort wieder getrennt werden. Dies kann bei erwachsenen Meerschweinchen passieren, meist nur zwischen geschlechtsreifen Böcken, sehr selten zwischen Weibchen bzw. Weibchen und Bock. (Das kann passieren, wenn ein Weibchen sehr dominat ist und bisher die Rangordnungshöchste war, diese Stellung wird Sie, auch gegenüber einem Bock, nicht kampflos aufgeben). Bei den letzten beiden Fällen muss die Vergesellschaftung etwas behutsamer vorgenommen werden (Beschreibung wie folgt). Geraten jedoch zwei erwachsene Böcke derart aneinander, haben weitere Versuche kaum Sinn.
Ist also das eine Meerschweinchen etwas schwierig dem anderen gegenüber (ständiges Jagen und Zähneklappern ohne Unterlass), geht man folgendermaßen vor:
Zunächst wird die/der Neue einmal in einen eigenen Stall, allerdings Gitter an Gitter neben den alten untergebracht. Das gibt dem neuen Mitbewohner zum einen die Möglichkeit, sich in Ruhe an die neue Umgebung zu gewöhnen (etwa 1-5 Tage), zum anderen können die beiden schon einmal Nasenkontakt zueinander aufnehmen.
Der nächste Schritt ist der Käfig-Tausch. "Stan" bzw. "Olli" wird in den neuen Stall, das neue Meerschweinchen in den alten Stall gesetzt. Die Streu wird zu dieser Gelegenheit nicht erneuert. So können sich beide mit den Geruch des anderen vertraut machen.
Am folgenden Tag wird der gemeinsame Auslauf eingerichtet: diverse Hindernisse (dicke Äste, Kartons mit mind. zwei Öffnungen etc.) und Leckerchen an verschiedenen Stellen. Die Ställe bleiben geöffnet, so dass die Schweinchen nach belieben in den eigenen/fremden Stall ein und aus gehen können.
Nach Möglichkeit sollten die beiden Parteien nicht wieder getrennt werden, da nach jeder Trennung das Kennen lernen von vorne beginnt.
Gemischte Gruppen in der Meerschweinchenhaltung, Großgruppenhaltung
Die Gruppenzusammensetzung, die dem Rudelleben in freier Natur am nahesten kommt ist die Haltung von sog. "gemischten Gruppen".
In der freien Wildbahn bestehen die Gruppen aus einem Bock, den Weibchen und ihren Babys. Um diese Art der Gruppenhaltung bei unseren Meerschweinchen möglich zu machen, muss der Bock kastriert werden/sein, damit unkontrollierte Vermehrung und Inzucht verhindert werden können.
Die Kombination Kastrat und eine oder mehrere Damen ist recht problemlos, auch wenn noch weitere Damen hinzukommen. Ein Kastrat versucht die Damenwelt zu beeindrucken und etwaige Streits zu schlichten. So dass bei mehreren sich streitenden Damen ein kastrierter Bock manchmal kleine Wunder bewirken kann.
In vielen Büchern wird von der Haltung von mehreren Kastraten in einer Weibchengruppe abgeraten. Die meisten Kastraten können mit ihren ebenfalls kastrierten Artgenossen nicht viel anfangen. Die Anfeindungen können von Hetzjagden bis hin zu blutigen Beißereien gehen.
Wenn man jedoch einige Grundregeln beachtet, und Kastraten mit einem dementsprechenden Charakter besitzt, kann eine solche Gruppe über Jahre hinweg gut funktionieren. Es gibt jedoch keine Garantie dafür! Ich selber habe seit einigen Jahren 5 Kastraten in einer Gruppe von 25 Weibchen.
Folgende Grundregeln sollte man auf jeden Fall beachten:
- die Kastraten sollten nicht dominant sein, jeweils immer einen Frühkastraten hinzu, das ist in der Regel Problemlos, er wächst in die Gruppe hinein
- auf jeden Kastraten sollten nach Möglichkeit zwei Damen oder mehr fallen, auch hier gibt es Ausnahmen
- der Gruppe sollte viel Platz und ausreichend Rückzugsmöglichkeiten in Form von Hütten, Röhren oder ähnlichem zur Verfügung stehen, damit die Tiere sich aus dem Weg gehen können, Etagenhaltung haben sich hier aus Erfahrung sehr bewährt
Es gibt Gruppen, die auf Basis dieser Grundregeln funktionieren. Und das schon seit Jahren. Man sollte diese Gruppen jedoch nicht als Garantie für das Funktionieren der eigenen Gruppe werten. Jedes Meerschweinchen hat schließlich seinen eigenen Kopf.
Allerdings akzeptieren recht viele, nach Eintritt der Geschlechtsreife kastrierten Böcke so genannte Frühkastraten. Diese Herren werden bereits vor Eintritt der Geschlechtsreife kastriert und werden daher anscheinend nicht als Konkurrenten gewertet und wachsen in Ihre Aufgabe hinein.
Wichtiger Aspekt:
Alle Meerschweinchen lernen den sozialen Umgang und das Gruppenleben direkt nach ihrer Geburt. Ich trenne persönlich keine Mütter mit ihren Babys aus der großen Gruppe, da diese Babys von Anfang an lernen, ihr soziales Verhalten zu trainieren und sich an Vorbildern zu orientieren, sodass sie später in jeder Gruppe Zurecht kommen können. Ich merke immer wieder, wenn Tiere einzeln oder nur zu 2 aufwachsen, z.B. 2 Böcke, die das Gruppenleben nicht mehr kennen, sehr schlecht in eine Gruppe zu intregieren sind. Deshalb bevorzuge ich die Frühkastration, dabei muss das Böckchen nicht aus der Gruppe genommen werden und kann alle sozialen Aspekte lernen. Der Nachteil hier: Meistens werden Frühkastraten nicht sehr dominat und leiten eine Weibchengruppe nicht immer als Ranghöchster an. |
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