Die Stammform des Hausmeerschweinchens (Cavia aperea f. porce Uus) stammt von den Wildmeerschweinchen (Cavia aperea) und der daraus resultierenden Unterart, dem Tschudii-Meerschweinchen (Cavia aperea schudii) ab. Wildmeerschweinchen leben in Südamerika.
Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Zentral-Ecuador über das südliche Surinam, Ost- und Süd-Brasilien bis Paraguay, Uruguay und das nördliche Argentinien. Dort lebt es in Niederungen, Trockensavannen, Grasland, Hecken und Buschland und in den Anden in einer Höhe von 4000 bis 4500 m. Ihre Unterschlüpfe sind Felsspalten und Erdhöhlen, welche sie von anderen Tieren, die diese verlassen haben, übernehmen. Die Tiere sind dort dämmerungsaktiv, bei Sonnenauf- und Sonnenuntergang. Sie ernähren sich dort von Gräsern, Kräutern, Pflanzenrinde, Blättern, Blüten, Früchten, Kakteen und anderen Pflanzenstoffen. Wildmeerschweinchen legen Trampelpfade an, die sie nie verlassen, außer wenn die Nahrung an den Futterplätzen rar wird.
Geschichte
Die Inkas lebten vor 9000 – 6000 Jahren als wanderndes Volk. Dabei gehörten Meerschweinchen zur bevorzugten Beute. Vor 6000 – 3000 Jahren wurden die Inkas sesshaft. Vermutlich domestizierten sich die Meerschweinchen selber, indem sie die Dörfer aufsuchten um Speisereste zu bekommen und Schutz vor natürlichen Feinden zu haben. Ein Teil ihrer Art isolierte sich also, der erste Schritt der Domestikation. Lange Zeit wurden die Meerschweinchen in den Dörfern nur geduldet, weil sie bei Gefahr sogar Alarm schlugen und keine großen Schäden anrichteten. Etwa 3000 Jahre alte Knochenfunde belegen die ersten Domestikationen. Von da an wurden wohl die ersten Meerschweinchen gezüchtet. Die dunklen Tiere für den Medizinmann, der aus den Eingeweiden der Meerschweinchen die Krankheit des Patienten las. Zuvor wurde das Tier auf dem Körper des Patienten gerieben. Dies wird in Teilen Südamerikas heute noch praktiziert. Außerdem wurden sie als Opfertiere und als Grabbeigaben verwendet. 1532 wurden die Inkas in Peru von Francisco Pizarro unterworfen. Zu der Zeit gab es die Meerschweinchen in fast jeder Hütte der Inkas. Der erste Kontakt von einer anderen Welt zu den Meerschweinchen war geschaffen. 1554 verfasste Konrad Gesner eine erste Beschreibung der Meerschweinchen.
Ca. 1650 wurden die ersten Meerschweinchen durch holländische und spanische Seefahrer nach Europa gebracht. In der Zeit wurden sie als besondere Exoten und Spieltieren für Kinder zu hohen Preisen verkauft. Da sich die Tiere gut vermehren ließen, versuchte man auch hier die Tiere als Fleischlieferanten zu nutzen. Dies schlug aber fehl. Die Medizin entdeckte nach dem 2. Weltkrieg die Tiere als beliebteste Forschungstierart – bis heute. Liebhaber dieser Tiere fanden sich schnell und man begann sie zu züchten. Eine große Farbvielfalt bestand schon vor der Übersiedlung nach Europa. Heute zählen Meerschweinchen zu den beliebtesten Heimtieren weltweit. Durch die Domestikation veränderte sich die Physiologie (innere Organe), die Fortpflanzung, das Verhalten, das Individualverhalten, das Sozialverhalten, das Werbe- und Sexualverhalten. Ebenso fand eine Veränderung auf stressphysiologischer Ebene statt.
Soziales
Die Anpassung an die spezielle Situation des Hausstandes, ist eine bemerkenswerte Anpassungsleistung der Tiere. Ohne diese würden sie sicher nicht als Haustiere gehalten werden können. In der Natur leben Wildmeerschweinchen in Harems mit 2-3 Weibchen oder als Paar. Die adulten Männchen vertragen sich nicht. Dadurch haben sie ein polygynes Paarungsverhalten. Innerhalb der Gruppe bildet sich eine stabile lineare Rangordnung, die sich nach dem Alter der Weibchen richtet. Das älteste Weibchen hat immer die höchste Position nach den Männchen. Die männlichen Jungtiere, wenn sie in die Geschlechtsreife kommen, werden gnadenlos vom adulten Männchen verjagt. Diese müssen dann eine eigene Gruppe mit verstoßenen Weibchen bilden.
Domestikation
Den Wandel vom Wildtier zum Haustier bezeichnet man als Domestikation. Im Fall des Meerschweinchens gilt folgendes
- Wildmeerschweine werden in Gefangenschaft genommen
- Mensch hat Kontrolle über die Tiere
- Fortpflanzung, Änderung der Umwelt, Ernährung, Sozialstruktur und künstliche Selektion sind Domestikationsbedingungen
- Tiere passe sich an
- Domestizierte und wilde Form gehören biologisch immer derselben Art an.
Die Verhaltensweisen der Wildmeerschweinchen sind jedoch nicht verloren gegangen. Es sind aber auch keine hinzu gekommen. Es hat nur eine Verschiebung stattgefunden, die quantitativ hohe Unterschiede aufweist. Bemerkenswert ist, wie sehr die Tiere sich in ihrem System verändern konnten, um den Fortbestand ihrer Art zu sichern. |