Ein Vorwort zur Kastration
Leider denken viele Leute immer noch, man könnte keine Meerschweinböcke zusammen halten. Das stimmt nicht! Es stimmt auch nicht, dass wenn zwei unkastrierte Böcke sich nicht verstehen, eine Kastration Abhilfe schafft.
Denn:
Die Kastration hat keinen Einfluss auf ihren Charakter (Sozialverhalten), der Hormonhaushalt ändert sich bei einem Meerschweinbock jedoch nicht.
Das friedliche Zusammenleben hängt eher von dem Sozialverhalten, ihrem Charakter und den Haltungsbedingungen ab. Zur Frühkastration steht unter Vor- und Nachteile einer Frühkastration der dementsprechende Klärungsbedarf.
Zur normalen Kastration ist aus Erfahrung zu sagen:
Vor der Anschaffung sollte überlegt werden, wie viele Tiere, welchen Geschlechtes, wie viel Platz kann ich bieten. Es ist immer wieder schön, wenn sich jemand für 2 oder mehr Böckchen entscheidet, da diese meist zurück bleiben und immer schlechter zu vermitteln sind.
In einer gemischten Gruppe sollte der Bock immer kastriert sein. In einer 2er Wohngemeinschaft unter Böcken, ist das nicht immer notwendig, doch folgendes ist dabei zu bedenken:
Sollte einer der Böcke mal frühzeitig oder aber vor dem anderen versterben und der zurück bleibende ist evtl. zu alt, um ihn noch kastrieren zu lassen, sollte eine Vergesellschaftung mit einem neuen Partner wohl überlegt sein.
Am besten geht das mit 2 Jungböcken, da man sonst evtl. sehr schnell wieder vor dem gleichen Problem steht.
Jungböcke im Alter von 4-8 Wochen stellen für den „Altbock“ noch keine Konkurrenz dar, da der Altbock, die kleinen noch nicht Geschlechtlich definiert. Er wird in der Regel beide herzlich aufnehmen und den erzieherischen Part übernehmen, keiner der Jungböcke wird ihm in dem Alter den Leitposten absprechen.
Evtl. kann es in den Pubertätsphasen zu kleinen Reibereien kommen, die sich in der Regel schnell wieder legen. In Einzelfällen kann sich aber ein Jungbock als sehr Dominant entwickeln und dann bleibt es abzuwarten, ob der Altbock dies respektiert oder ob eine Trennung nötig ist.
Eine Kastration birgt natürlich immer ein Risiko (Narkose), ermöglicht aber dem Bock ein schönes Gruppenleben mit einem oder mehreren Weibchen ohne unerwünschten Nachwuchs.
Eine normale Kastration wird in einem Alter von ca. 5 Monaten bis 4 Jahren und einem mind. Gewicht von 600g problemlos durchgeführt.
Bockgruppen sind aber immer eine gute Alternative, sie sollten nur in einer Bockgruppe die Mädels ganz aus dem Spiel lassen, bitte keinen Bock für das Nachbarmädel verleihen. Danach setzten Sie die Freundschaft ihrer Bockgemeinschaft erheblich aufs Spiel und die Freundschaft ihrer Böcke, kann für immer vorbei sein.
Vor-und Nachteile einer Frühkastration
Frühkastration heißt, das Böckchen mit einem Gewicht von 200g - 250g im Alter von 2 - 3 Wochen, vor Eintritt der Geschlechtsreife, kastriert werden. Leider führt nicht jeder TA diesen Eingriff durch. Böcke sind meist schon mit 4 - 5 Wochen geschlechtsreif und viele Tierärzte kastrierten lieber erst, wenn die Böcke fast ausgewachsen sind, nämlich im Alter von 5 - 6 Monaten oder einem Gewicht von mind. 600g. Bis dahin muss das Böckchen von den Weibchen getrennt werden und hat nach der Kastration noch eine 4-wöchige Wartezeit vor sich, da ein Bock in dem Zeitraum noch lebensfähige Spermien in seinen Samenleitern haben kann.
Auf Grund dessen wurde die Methode der Frühkastration entwickelt und 1995 von G. Morgenegg veröffentlicht.
Was spricht für eine Frühkastration
In manchen Fällen, ist es eine gute Möglichkeit die Böckchen in einer Gruppe aufwachsen zu lassen, dadurch kann ein gutes Sozialverhalten erlernt werden. Keine Trennung der Meerschweinfamilie ist nötig und der kleine kann evtl. auch in einem Rudel mit mehr als einem Bock und Weibchen aufwachsen.
Im jugendlichen Alter verkraften die Tiere die Narkose auch viel besser, häufig sind die Böckchen nach 2 -4 Stunden wieder fit und dürfen zurück zu ihrer Familie. Das Gewebe bei nicht geschlechtsreifen Böckchen ist noch nicht richtig durchblutet und somit ist die Gefahr der Schwächung des Organismus wegen Auftreten von Blutungen auf ein Minimum reduziert.
Die üblichen Narkoserisiken hat man natürlich schon, ich selber habe schon eine Frühkastraten bei der Narkose verloren, aber das ist eher eine Ausnahme.
Was spricht gegen eine Frühkastration
Bei den Böcken sind die Geschlechtshormone, speziell Testosteron, sehr wichtig für die Entwicklung der Tiere sind. Dieses Hormon wird aber erst beim erreichen der Geschlechtsreife (in größeren Mengen) produziert, so dass es bei Frühkastraten möglicherweise zu Fehlentwicklungen führen kann, die aber noch nicht wirklich nachgewiesen werden konnten. Das Erscheinungsbild eines ausgewachsenen Frühkastraten entspricht nicht unbedingt dem "normalen" Erscheinungsbild. Morgenegg aber, konnte auch bei seinen Studien, jedoch keine Fehlentwicklungen im Vergleich mit nach Eintritt der geschlechtsreifen kastrierten Böcken feststellen.
Auch ich habe unzählige Frühkastraten gehabt, die sich alle in der Gruppe normal entwickelt haben.
G. Sachser schreibt dass Frühkastraten, wenn sie alleine gehalten werden bzw. nur in Gesellschaft eines Weibchens aufwachsen, im Alter Probleme damit haben, Konfliktsituationen aus dem Weg zu gehen. Sie haben nicht gelernt eine Konfliktsituation zu umgehen. Böckchen allerdings, die in Gruppen aufwachsen, lernen mit Konfliktsituationen umzugehen.
Den wichtigen Prozess der sozialen Prägung sollten Jungtiere deshalb am besten in einer funktionierenden gemischten Gruppe verbringen. So lernen sie alle Spielregeln im Zusammenleben. Eine Frühkastration kann in bestimmten Situationen die Lösung sein, nach der man gesucht hat. Allerdings sollte man sich das gut überlegen und die früh kastrierten Böcke auch in der Gruppe aufwachsen lassen, damit sie lernen sich zu behaupten, sonst würde das frühe Kastrieren auch keinen Sinn für das Tier ergeben.
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